Facebook will kostenpflichtige Artikel einführen

Facebook plant offenbar kostenpflichtige Beiträge in seinem Netzwerk. Nutzer müssten dann für Nachrichtenartikel bezahlen, ehe sie sie lesen können.

Bisher können Nutzer auf Facebook alles kostenlos abrufen, auch Nachrichten von Verlagshäusern, die sie als „Instant Articles“ direkt bei Facebook einstellen. Also Artikel, die direkt bei Facebook gespeichert und zu lesen sind – nicht auf den Seiten der Verlage. Das ist schon seit Jahren ein großer Streitpunkt zwischen Facebook und den Verlegern. Die verdienen dadurch natürlich weniger.

In diesem Streit möchte Facebook den Verlegern jetzt entgegenkommen. Durch eine sogenannte Paywall sollen die Nachrichtenseiten endlich auch an ihren „Instant Articles“ verdienen können. Und zwar wenn Nutzer mehr als 10 Artikel eines Nachrichtenangebots im Monat lesen. Bis dahin ist alles kostenlos, ab dem elften Zahlen muss bezahlt werden. Voraussichtlich ab Oktober möchte Facebook das erstmal im Kleinen testen. Ist der Test erfolgreich, könnte die Funktion schon Anfang nächsten Jahres für alle kommen.

Normale Links von Medienhäusern, die bei Facebook geteilt werden, sind davon nicht betroffen: Dort gelten teils jetzt schon Bezahlschranken, wenn die Nutzer die Seite des Medienhauses besuchen. Oder auch eben nicht. Facebook will diese Möglichkeit nun auf die „Instant Articles“ erweitern.

Und wer verdient damit Geld: Facebook, die Verlage, beide?

Zahlen verrät Facebook normalerweise nicht. Grundsätzlich wird Facebook schon seinen Anteil daran haben, aber mit diesem Angebot stehen die Verlage im Vordergrund, so die Einschätzung von SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler. Im Idealfall profitieren sie sogar doppelt: Denn die Paywalls der Zeitungen, die gibt es ja schon. Bei der Bild, dem Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, der Zeit und so weiter.

Bisher brauchen Nutzer aber jeweils ein eigenes Benutzerkonto. Wenn Leser künftig aber alles über Facebook bezahlen können, dann lesen sie vielleicht auch mal was, von Zeitungen, die sie bisher nicht abonniert haben. Und das bringt den Online-Angeboten dann vielleicht auch neue zahlende Nutzer.

Rechnet sich das?

Die Paywall für einzelne Artikel wird am Ende für Facebook vermutlich keine Gelddruckmaschine. Aber für den Konzern geht es im nächsten Schritt um viel mehr: seinen eigenen Bezahldienst. Schon seit 2015 können Nutzer in den USA mit dem Facebook Messenger Geld aneinander verschicken. Und auch in Europa besitzt das soziale Netzwerk seit vergangenem Jahr eine Lizenz für elektronische Finanztransaktionen.

Vor diesem Hintergrund schätzt Alexander Winkler, dass Nutzer in Zukunft viel häufiger mit Bezahlsituationen auf Facebook rechnen müssen. Zum Beispiel indem sie dort auch Produkte bestellen und bezahlen können. Facebook möchte die zentrale Anlaufstelle im Netz für alles zu werden. Und mit dem eigenen Bezahldienst kommt da ein großer Baustein mit hinzu. Gleichzeitig greift der Konzern so auch direkt Konkurrenten wie PayPal an. Die Bezahlschranke für Nachrichtenangebote ist da wahrscheinlich nur der erste Schritt.

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