Naoki Kenji – Akatombo

Sechs Jahre sind seit seinem letzten Album vergangen. Naoki Kenji ist mit seinem jetzt achten Album zurück. Traditionell ist es mit AKATOMBO japanisch betitelt. Und ebenso traditionell trägt es den mit LIBELLE zu übersetzenden Titel aus mehrfachgutem Grund.

Zum einen verweist es auf ein Gedicht seiner inzwischen verstorbenen Mutter.Die Verse waren lange verschollen und gelangten bei Kenjis letztem Umzug plötzlich wieder ans Licht. Für den Deutsch-Japaner hat das Werk somit denStellenwert einer musikalischen Widmung und Liebeserklärung.

Zum anderen könnte wohl kaum ein anderes Lebewesen sowohl Kenjis Biografie als auch den Gehalt von AKATOMBO besser symbolisieren. Wie die Libelle hat Naoki im Laufe seiner Karriere verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen – bis hin zum arrivierten Musiker und Videokünstler, der er heute ist Ebenso wirken die 12 Titel des Albums, als schwebten sie wie schillernde Körper von transparenten Flügeln getragen über einem herbstlichen See. Zunächst geradezu meditativ über einem Nebelschleierstillstehend, dann sich langsam und schließlichbehände in Richtung Abendsonne fortbewegend.

Aufgrund der kompositorischen Finesse sowie feinfühligen Verflechtungen natürlicher und synthetischer Klänge mag man mehr denn je kaum glauben, dass AKATOMBO das Ergebnis eines Solokünstlers ist. Dabei hat Kenji als Grenzgänger zwischen Lounge, House, Electro, Pop und Jazz seinen Fokus verstärkt auf letztgenannten Stil gerichtet.

Bereits der Eingangstrack „Sideway Swing“ verbreitet dank des Zupfbasses ein vergleichbar federndes Wohlgefühl wie der legendäre D&B-Track „Circles“ von Adam F. Ebenso mühelos wickelt Kenji den Zuhörer mit dem angeshuffelten Summernight-Groover „ Final Approach“ um seinen Finger. Absolut unschlagbar bleibt Naoki jedoch auch diesmal, wenn er Female Vocals einbezieht, um die Schwelle vom Track zum Song zu übertreten. Sei es in Form einer kugelrunden Electro-Perle wie „Tu Mirada“. Odermit dem besenweich gestreichelten Franko-Tagtraum „Ce Nuage“. Weiterer Höhepunkt auf AKATOMBO ist zum einen das betörende „You Make Me Whole“, welches alle Qualitäten eines James Bond-Songs Songs aufweist. Und zum anderen das lyrisch ernsthafte „Stakes Are High“, in dem Sängerin Carla Vallet auf die beunruhigende politische Weltlage hinweist. Übrigens: Wer auf dem bereits letztjährig ausgekoppelten Titletrack „Akatombo“ genau hinhört, kann dieVerse des einst von Naokis Mutter verfassten Gedichts vernehmen…

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