Was uns beim Eisschlecken mit der Mafia verbindet

Der Kugel Vanille-Eis sieht man es nicht an, aber der Stoff, der den Geschmack ausmacht, ist grade teurer als Silber. Grund dafür sind Geschäfte der Mafia in Madagaskar.

530 Euro werden aktuell für das Kilo Bourbon-Vanille aus Madagaskar gezahlt. Aus dem tropischen Inselstaat kommt fast das gesamte Vanille-Mark für den deutschen Markt. Ein lukratives Geschäft für die Bauern – könnte man meinen. Doch so ist es nicht.

Zum einen dauert es um die zwei Jahre bis eine Vanilleplantage so weit ist, dass man überhaupt ernten kann. Zum anderen hängt der Ertrag der Bauern stark vom Wetter ab. Tropische Wirbelstürme wie im Frühjahr diesen Jahres können schnell Anbauflächen verwüsten und Teile der Ernte vernichten.

Stärker als die Wetterkapriolen, mit denen Landwirte auf der ganzen Welt zu kämpfen haben, wirken auf den Vanillehandel aber noch ganz andere Kräfte: Die Mafia hat ihre Finger im Spiel. Das berichten zumindest Händler.

Mafia wäscht Geld aus illegalem Holzhandel

Wenn man sich anschaut, was der Grund für die aktuell so hohen Preise ist, dann stellt man fest, dass es weder das Wetter noch die große Nachfrage nach Bourbon-Vanille sein können. Eigentlich wurde nämlich genug produziert, um Deutschland und Europa mit Vanille versorgen zu können. Aber die Vanille wird anscheinend zurückgehalten.

Hans-Wittich Karsten, Vanille-Händler aus Bremen hat über Kontakte in Madagaskar erfahren, dass die Mafia in dem Inselstaat illegal Edelhölzer verkauft. Das Geld, das sie damit eingenommen hat, muss sie jetzt waschen. Und dafür hat sie die gesamte Vanilleernte aufgekauft und bringt das Kilo nun zum zehn- bis zwanzigfachen Preis wieder auf den Markt.

Gourmetköche beziehen aus Tahiti

Weil die Europäer ihre Vanille zu 80 Prozent aus Madagaskar beziehen, merken das die Händler in Deutschland ganz stark. Während die Käufer tief in die Tasche greifen müssen, machen Spekulanten auch in anderen tropischen Ländern satte Gewinne. Überall sind die Preise in die Höhe geschnellt.

In Tahiti werden momentan sogar um die 600 Euro für das Kilo gezahlt. Denn die Vanille dort hat ein besonders feines Aroma und wird gerne in der Gourmetküche eingesetzt.

Mehr künstliche Aromen oder weniger Eis

2003 sind die Preise für Vanille übrigens auch schon mal extrem hoch gewesen, aus fast den gleichen Gründen wie jetzt. Damals war es so, dass nach einem Jahr der Markt für Vanille komplett zusammengebrochen ist. Auf so einen Preisverfall hoffen die europäischen Händler diesmal auch.

Die Eisdielen haben erst einmal Konsequenzen gezogen: Die einen bieten weniger Vanilleeis an, die anderen verlangen mehr Geld für die Kugel oder setzen verstärkt künstliche Aromen ein.

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